Ziel- und Leistungsvereinbarungen (ZLV) sind ein zentrales Steuerungsinstrument im Startchancen-Programm. Sie dienen der konkreten Umsetzung und Steuerung der Maßnahmen in den drei Programmsäulen und werden gemeinsam von Schule, Schulaufsicht und Schulträger entwickelt und verantwortet. Die wichtigsten Aspekte ihrer Nutzung und Anwendung sind:
Grundlage und Zielsetzung
- Die Standortbestimmung der Schule bildet die Basis für die Zielvereinbarungen.
- Zielvereinbarungen werden zeitlich begrenzt abgeschlossen – meist für ein oder zwei Schuljahre.
- Sie sollen die Ziele des Startchancen-Programms konkretisieren und operationalisieren, z. B.:
- Verbesserung der Lernumgebung (Säule I)
- Schul- und Unterrichtsentwicklung (Säule II)
- Stärkung multiprofessioneller Teams (Säule III)
Verantwortlichkeiten
- Die Schulleitung und die schulfachliche Aufsicht tragen die Hauptverantwortung.
- Der Schulträger ergänzt die Vereinbarung durch eine eigene Erklärung, insbesondere bei baulichen Maßnahmen.
- Die Mitwirkungsgremien der Schule werden in den Prozess eingebunden.
Inhalte der Vereinbarungen
- Ziele: Anzahl und Art der Ziele werden gemeinsam festgelegt.
- Maßnahmen: Konkrete bauliche oder pädagogische Maßnahmen zur Zielerreichung werden benannt.
- Begründung: Schulen erläutern, wie die Maßnahmen zur Erreichung der Programmziele beitragen.
- Zeitplanung: Beginn und Ende der Maßnahmen werden definiert.
- Verwaltungsvereinbarungen: Die Maßnahmen müssen über reine Instandhaltung hinausgehen und pädagogische Qualität verbessern.
Verzahnung mit Schulentwicklung
- Die ZLV sind eng mit der Schulentwicklung verknüpft und sollen Impulse für nachhaltige Veränderungen geben.
- Sie fördern die Verantwortungsübernahme der Schulen und ermöglichen zielgerichtete Steuerung durch die Schulaufsicht.
Wissenschaftliche Begleitung und Evaluation
Die Umsetzung der ZLVs im Rahmen des Startchancen-Programms wird kontinuierlich wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Ziel dieser Begleitung ist es, die Wirksamkeit der ergriffenen Maßnahmen systematisch zu überprüfen und einen nachhaltigen Transfer erfolgreicher Ansätze sicherzustellen. Die wissenschaftliche Evaluation schafft damit eine belastbare Grundlage für evidenzbasierte Steuerungsentscheidungen und für die Weiterentwicklung des Programms.
Die Evaluation erfolgt auf drei miteinander verzahnten Ebenen: der individuellen, der institutionellen und der systemischen Ebene.
Auf der individuellen Ebene steht die Förderung der Schüler:innen im Mittelpunkt. Zentrales Ziel ist es, die Zahl der Schüler:innen, die die bundesweit definierten Mindeststandards in Deutsch und Mathematik nicht erreichen, deutlich zu reduzieren – perspektivisch um etwa die Hälfte. Um Fortschritte sichtbar zu machen, werden grundlegende fachliche Kompetenzen ebenso erfasst wie ausgewählte sozio-emotionale Fähigkeiten. Die Datengrundlage bilden Längsschnittstudien mit Stichproben aus rund 300 Schulen, die Schüler:innen der Jahrgangsstufen 4 und 9 über einen längeren Zeitraum begleiten und Entwicklungsverläufe abbilden.
Die institutionelle Ebene richtet den Blick auf die Schul- und Unterrichtsentwicklung. Untersucht wird, wie Schulen ihre pädagogischen Konzepte weiterentwickeln, wie Unterrichtsqualität gestärkt wird und in welchem Umfang Professionalisierungsprozesse bei Lehrkräften stattfinden. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Vernetzung im Sozialraum, insbesondere auf der Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern sowie dem Aufbau und der Nutzung von Schulnetzwerken, um Ressourcen zu bündeln und voneinander zu lernen.
Auf der systemischen Ebene wird analysiert, wie die Zusammenarbeit zwischen Bildungsverwaltung, Schulträgern und Schulen gestaltet ist und inwieweit bestehende Unterstützungsstrukturen wirksam greifen. Dabei wird auch geprüft, ob Steuerungs- und Unterstützungsprozesse effizient aufeinander abgestimmt sind. Ergänzend erfolgt eine Wirtschaftlichkeitsprüfung gemäß den Vorgaben der Bundeshaushaltsordnung, um sicherzustellen, dass die eingesetzten Mittel zielgerichtet, wirtschaftlich und wirkungsvoll verwendet werden.
Methoden der Evaluation
Methodisch basiert die Evaluation auf einer Kombination unterschiedlicher Erhebungsinstrumente. Zum einen werden bereits vorhandene Daten, etwa aus Schulstatistiken, genutzt und mit neu erhobenen Daten ergänzt. Zum anderen kommen standardisierte Kompetenzmessungen in Deutsch und Mathematik zum Einsatz, die auf Aufgabenformaten des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) beruhen.
Ergänzend werden Schüler:innen jährlich zu ihrer Bildungsbiografie, ihren Lernbedingungen und Erfahrungen befragt, um individuelle Lern- und Entwicklungsprozesse differenziert abbilden zu können.
Abgerundet wird die Evaluation durch eine Wirtschaftlichkeitsanalyse, die die Effizienz und Effektivität der eingesetzten finanziellen Mittel bewertet und damit zur Transparenz und Rechenschaftslegung im Rahmen der Ziel- und Leistungsvereinbarungen beiträgt.
Übersicht der Umsetzung des Startchancen-Programms in den Ländern
Eine detaillierte, filterbare Übersicht über die Planung, Maßnahmen und Evaluation – darunter auch der strategische Einsatz von ZLV – in den 16 Bundesländern hat die Wübben Stiftung Bildung zusammengestellt.












