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Veröffentlicht am: 18.02.2026

Lesezeit: 4 Minuten

Studie zur Rolle der Schulaufsicht in Zeiten der Transformation

Mit der Studie „Schulaufsicht in Zeiten der Transformation“ wird die Schulaufsicht sowohl als eigenständiges Unterstützungssystem schulischer Transformation als auch als Teil eines Gesamtsystems vielfältiger staatlicher Unterstützungsstrukturen untersucht. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Nutzung von Daten zur strategischen Qualitätsentwicklung und Führung.

Ziel der Studie „Schulaufsicht in Zeiten der Transformation“ ist die Klärung der Aufgaben, Rollen und Verantwortlichkeiten der Schulaufsicht innerhalb der Bildungsverwaltung. Die Studie nutzt ein Mixed-Methods-Design und erhebt Daten in fünf deutschen Bundesländern mit unterschiedlichem Verwaltungsaufbau der Schulaufsicht (ein-, zwei- und dreistufig).

Grundlage für die jetzt veröffentlichten Ergebnisse der qualitativen Vorstudie sind leitfadengestützte Interviews mit Leitungspersonen der Schulaufsicht. Im Zentrum steht die Frage, wie Schulaufsichten datengestützte Führung verstehen und praktizieren – und wie Daten im Zusammenspiel mit Dialog und professioneller Beziehungsgestaltung für Schulentwicklung verwendet werden.

Erste Ergebnisse zeigen Relevanz gemeinsamer Verantwortung und datengestützten Arbeitens

Die befragten Schulaufsichten sehen sich gemeinsam mit den Schulleitungen in der Verantwortung für erfolgreiche Bildungs- und Entwicklungsprozesse. Demnach handeln Schulen eigenverantwortlich, während die Schulaufsicht letztverantwortlich bleibt, die Schulqualität zu sichern.

Die datengestützte Steuerung sehen die Leitungspersonen der Schulaufsicht als einen „Paradigmenwechsel“. Diese ermöglicht es, schulische Situationen differenzierter einzuordnen, Wahrnehmungen zu objektivieren und Entwicklungsprozesse zielgerichteter zu begleiten. Besonders häufig nutzt Schulaufsicht nach Aussagen der Befragten Statistiken und Leistungsdaten von Schüler: innen. Daten aus anderen Quellen – etwa Schulinspektionen oder Befragungen – kommen seltener zum Einsatz.

Datengestützter Dialog mit Schulleitungen

In allen Bundesländern spielen Daten auch im Austausch mit Schulleitungen eine Rolle. In vier von fünf Bundesländern finden systematische Qualitätsgespräche auf Basis schulbezogener Daten statt, die häufig in Ziel- und Leistungsvereinbarungen münden. Eine systematische Datennutzung ermöglicht eine evidenzbasierte Entscheidungsfindung und eine gezielte Unterstützung der Schulen.

Führungsverhalten der Schulaufsicht

Das Führungsverhalten der Schulaufsicht zeichnet sich durch Respekt und Offenheit gegenüber den Schulleitungen aus. Die Interaktionen werden sowohl formal als auch informell geführt und dabei als gleichwertig wahrgenommen. Schulaufsichtspersonen handeln verständnisvoll und suchen nach Lösungen für individuelle Herausforderungen der Schulen. Die Verantwortung für den Erfolg der Bildungs- und Entwicklungsprozesse wird dabei gemeinsam getragen.

Verantwortung der Schulaufsicht für Schulqualität

Die Schulaufsicht trägt eine zentrale Verantwortung für die Sicherstellung der Schulqualität sowie für die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben. Sie teilt sich diese Verantwortung mit den Schulleitungen und verfolgt ein Konzept der supervidierenden Führung, das als „Führung von Führung“ verstanden wird. Gleichzeitig liegt der letzte Verantwortungsbereich für die Schulqualität bei der Schulaufsicht. Beschriebene Führungsstile umfassen den partizipativen, transaktionalen und transformationalen Ansatz, während autoritäre und beschämende Führungsformen klar abgelehnt werden.

Unterschiedliche Rahmenbedingungen in den Bundesländern

Der Austausch über Daten zwischen Schulaufsichtspersonen und Schulleitungen ist essenziell, jedoch nicht überall strukturiert. In einigen Bundesländern erfolgt er systematisch, etwa in Dienstbesprechungen und Konferenzen. Datenanalysen dienen dort der Identifikation individueller Entwicklungsbedarfe von Schulen. Gleichzeitig ermöglicht der Austausch über Maßnahmen ein Best-Practice-Lernen. Herausforderungen zeigen sich besonders zwischen verschiedenen Verwaltungsebenen, insbesondere in dreistufigen Strukturen. In manchen Bundesländern fehlt ein geregelter Austausch vollständig, was die datengestützte Schulentwicklung erschwert. In drei der fünf Bundesländer wird an einer Strategie für datengestützte Qualitätsentwicklung gearbeitet.

Verbesserung des Austauschs zwischen Ebenen

Ein verbesserter Austausch zwischen den verschiedenen Ebenen der Schulaufsicht wird als notwendig für eine effektive Schulentwicklung angesehen. Dieser Bereich wird häufig als „unterbelichtetes Feld“ beschrieben, da fehlende Strukturen die Zusammenarbeit erschweren. Zwar finden informelle Gespräche statt, doch eine offizielle Förderung dieses Austauschs besteht kaum. Ein gemeinsamer Blick auf Daten gilt daher als entscheidende nächste Ausbaustufe innerhalb der Strategie zur datenbasierten Schulentwicklung.

Vorstudie als Teil eines mehrstufigen Forschungsprojekts

Die Interviews der Vorstudie liefern einen ersten Einblick in Rollenverständnisse und Handlungsstrategien der Schulaufsicht. Die Vorstudie ist Teil eines mehrstufigen Forschungsprojekts, das in den folgenden beiden Teilstudien weiter vertieft wird. Die Studie „Schulaufsicht in Zeiten der Transformation“ wurde von der Heraeus Bildungsstiftung gemeinsam mit der Wübben Stiftung Bildung in Auftrag gegeben und wird von Prof. Dr. Kathrin Dedering von der Universität Erfurt geleitet.

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