Demokratiebildung ist keine Zusatzaufgabe, sondern Kernbestandteil schulischer Bildung. Sie verbindet Wissensvermittlung, Werteorientierung und praktische Beteiligung. Ziel ist die Entwicklung mündiger, verantwortungsbewusster und demokratiefähiger junger Menschen, die sich aktiv für Menschenrechte, Vielfalt und den demokratischen Rechtsstaat einsetzen können.
Demokratiebildung als Auftrag von Schule
Demokratiebildung als zentrale Bildungsaufgabe soll Schüler:innen befähigen, demokratische Werte zu verstehen, selbstständig zu urteilen, Verantwortung zu übernehmen und aktiv an Gesellschaft und Politik teilzunehmen. Schule soll dabei ein Ort gelebter Demokratie sein, an dem Respekt, Toleranz, Menschenrechte, Konfliktfähigkeit und Zivilcourage praktisch erfahren werden.
Rechtliche und pädagogische Grundlagen
Grundlage sind das Grundgesetz, die Landesverfassung Sachsen-Anhalts, die Menschenrechte sowie der schulische Erziehungs- und Bildungsauftrag. Demokratiebildung richtet sich ausdrücklich gegen Menschenfeindlichkeit, Antisemitismus, Rassismus, Diskriminierung und Extremismus.
Die Handreichung verweist auf drei zentrale Prinzipien der freiheitlich-demokratischen Grundordnung: die Achtung der Menschenwürde, das Demokratieprinzip und politische Teilhabe sowie das Rechtsstaatsprinzip mit Gleichheit vor dem Gesetz und unabhängiger Justiz. Dabei orientiert sich Demokratiebildung an den drei Grundsätzen (Überwältigungsverbort, Kontroversitätsgebot, Schüler:innenorientierung) des Beutelsbacher Konsenses.
Demokratiebildung bedeutet nicht Neutralität gegenüber Extremismus
Die Handreichung betont ausdrücklich: Schule ist kein wertneutraler Raum. Lehrkräfte müssen für die Werte der Verfassung eintreten. Menschenfeindliche, rassistische oder demokratiefeindliche Positionen dürfen nicht als gleichwertige Meinungen behandelt werden. Sie sind kritisch einzuordnen und zurückzuweisen.
Die Verteidigung von Menschenwürde, Grundrechten und demokratischen Prinzipien gehört zum Bildungsauftrag. Lehrkräfte sollen Schüler:innen zudem befähigen, extremistische Narrative, Verschwörungstheorien und manipulative Kommunikationsstrategien zu erkennen und kritisch zu hinterfragen.
Demokratiebildung als Aufgabe der ganzen Schule
Demokratiebildung soll fächerübergreifend und im gesamten Schulleben verankert sein. Dazu gehören:
- Mitbestimmung und Beteiligung von Schüler:innen
- Demokratie als Bestandteil des Unterrichts aller Fächer
- Interkulturelle Bildung
- Medienbildung und Förderung von Informationskompetenz
- Zusammenarbeit mit außerschulischen Lernorten und Netzwerken
- Fortbildung von Lehrkräften
- Kooperation mit demokratischen Partner:innen und Initiativen
Prävention und Umgang mit Demokratiefeindlichkeit
Ein Schwerpunkt liegt auf Prävention und Intervention bei demokratiefeindlichen Entwicklungen. Die Handreichung behandelt insbesondere den Umgang mit:
- Rassismus
- Antisemitismus
- Homo- und Transfeindlichkeit
- Misogynie (Frauenfeindlichkeit)
- Mobbing und Diskriminierung
- Extremistische Propaganda
- Verfassungsfeindliche Symbole und Einflussnahmen aus dem sozialen Umfeld
Für diese Bereiche werden Handlungsmöglichkeiten, Unterstützungsangebote sowie Materialien für die schulische Praxis vorgestellt.











