Kaum eine bildungspolitische Herausforderung lässt sich heute noch innerhalb der Zuständigkeit einer einzelnen Institution lösen: Der Ausbau ganztägiger Bildungs- und Betreuungsangebote, die Weiterentwicklung inklusiver Bildung, die Sicherung von Bildungsübergängen sowie die Unterstützung von Kindern und Jugendlichen in besonderen Lebenslagen machen deutlich, dass erfolgreiche Bildungssteuerung eine gemeinsame Aufgabe verschiedener Ebenen und Institutionen ist. Dabei rückt die Frage in den Mittelpunkt, wie die Verantwortung zwischen Bund, Ländern, Kommunen und freien Trägern so gestaltet werden kann, dass Kooperation nicht nur vom Engagement Einzelner abhängt, sondern strukturell ermöglicht und unterstützt wird.
Schulaufsicht, Schulträger, Jugendhilfe, Eingliederungshilfe, Gesundheitsämter, Arbeitsverwaltung und weitere Partner:innen tragen vor Ort gemeinsam Verantwortung für gelingende Bildungsbiografien von Kindern und Jugendlichen. Um die oftmals getrennten Zuständigkeiten besser aufeinander zu beziehen, gibt es viele erprobte Ansätze: Kooperationsvereinbarungen, Bildungslandschaften, kommunale Bildungsbüros, integrierte Planungsansätze oder multiprofessionelle Teams. Gleichwohl zeigt die Praxis, dass die Zusammenarbeit häufig hinter den Erwartungen zurückbleibt. Unterschiedliche Rechtskreise, Finanzierungslogiken und Verantwortlichkeiten erschweren eine abgestimmte Unterstützung von Kindern und Jugendlichen. Nicht selten orientieren sich Verfahren und Zuständigkeiten stärker an institutionellen Grenzen als an den tatsächlichen Bedarfen der jungen Menschen.
Die DGBV-Jahrestagung 2027 nimmt diese Herausforderungen aus einer Governance- und Steuerungsperspektive in den Blick. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Schulaufsicht, Kommunen und freie Träger ihre Verantwortung vor Ort so wahrnehmen können, dass die Unterstützung von Kindern und Jugendlichen konsequent von deren Bedarfen aus gedacht wird. Welche Formen der Zusammenarbeit haben sich bewährt? Wo bestehen strukturelle Hindernisse? Und welche Steuerungsansätze sind geeignet, um Kooperation dauerhaft wirksam zu gestalten?
Anhand zentraler Handlungsfelder und Praxisbeispiele soll diskutiert werden, wie eine moderne Bildungssteuerung aussehen kann, die institutionelle Grenzen überwindet und die gemeinsame Verantwortung für gelingende Bildungsbiografien stärkt. Dabei knüpft das Programm am Nationalen Bildungsforum 2026 an und führt den dortigen Diskurs fort.