Vierteilige bundeslandübergreifende Werkstattreihe für Schulaufsichten
Kinder und Jugendliche wachsen heute in einer multidiversen Gesellschaft auf. Lebensrealitäten, Lernbedingungen und schulische Kontexte sind vielfältig und werden es in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter sein. Für das Bildungssystem ergibt sich daraus eine zentrale Aufgabe: die Sicherung und Weiterentwicklung schulischer Qualität unter Bedingungen von Diversität. Fragen von Teilhabe, Chancengerechtigkeit und gelingendem Miteinander sind dabei keine Randthemen, sondern grundlegende Dimensionen schulischer Qualitätsentwicklung.
Schulaufsichten kommt in diesem Zusammenhang eine Schlüsselrolle zu. Sie tragen Verantwortung dafür, schulische Entwicklungsprozesse so zu begleiten und zu steuern, dass Bildungschancen unabhängig von Herkunft, sozialem Status oder individuellen Voraussetzungen gesichert und verbessert werden. Insbesondere für Schulen in herausfordernden Lagen sind sie zentrale Akteur:innen beim Ausgleich von Bildungsbenachteiligungen und bei der Unterstützung wirksamer Schul- und Unterrichtsentwicklung.
Kulturresponsives Führungshandeln bietet hierfür einen systematischen Ansatz. Es rückt die Lebenswelten und Voraussetzungen von Schüler:innen in den Mittelpunkt, reflektiert bestehende strukturelle Barrieren und stärkt gezielt Ressourcen innerhalb von Schule, Elternschaft und Sozialraum. Damit erweitert es die Perspektiven schulaufsichtlichen Handelns im Sinne einer kontextsensiblen Qualitätssicherung.
Schulaufsichtliches Handeln ist geprägt von der Aufgabe, Schulleitungen differenziert und wirksam zu begleiten – unter Berücksichtigung ihres professionellen Selbstverständnisses, der jeweiligen Schulumgebung, der Zusammensetzung der Schüler:innenschaft sowie der Bedingungen im Kollegium. Daraus ergeben sich spezifische Anforderungen an Analyse-, Beratungs- und Steuerungskompetenzen.
Welche Kompetenzen hierfür erforderlich sind und wie sie im beruflichen Alltag gezielt eingesetzt werden können, steht im Mittelpunkt dieser vierteiligen Werkstattreihe, ergänzt durch regelmäßige Praxisphasen zwischen den Terminen. Die Reihe unterstützt Schulaufsichten dabei, ihr Handeln im Kontext von Diversität und Bildungsungleichheit systematisch weiterzuentwickeln und an zentrale Aufgaben der Qualitätssicherung anzubinden.
Sie bietet einen geschützten professionellen Raum für Personen in der Schulaufsicht, um eigene Handlungspraktiken zu analysieren, weiterzuentwickeln und mit anderen zu reflektieren. Neben fachlichen Impulsen stehen kollegialer Austausch sowie die Bearbeitung konkreter Praxisanliegen im Fokus.
Die Reihe knüpft an das Konzept des Culturally Responsive School Leadership (CRSL) an, das insbesondere im internationalen Kontext – vor allem in den USA – intensiv diskutiert und angewendet wird. Internationale Befunde zeigen, dass entsprechende Ansätze einen Beitrag zur Verbesserung der Bildungschancen von Kindern aus marginalisierten Lebenslagen leisten können.
Im vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) sowie der Europäischen Union (ESF Plus) geförderten Projekt „KulReF – Kulturresponsives Führungshandeln durch Schulaufsichten unterstützen“ arbeiten ein Team der TU Dortmund und die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung zusammen. Auf Grundlage einer Interviewstudie mit internationalen Expert:innen sowie einer Befragung von Schulaufsichtsbeamt:innen in Deutschland wurde die Werkstattreihe entwickelt. Sie wird im Schuljahr 2026/27 erstmals in zwei Durchläufen umgesetzt. In Brandenburg wird die KulReF-Werkstatt gemeinsam mit dem LIBRA – Landesinstitut Brandenburg für Schule und Lehrkräftebildung entwickelt und umgesetzt.
Ziele der Werkstattreihe
Kulturresponsives Führungshandeln in der Schulaufsicht
Die teilnehmenden Schulaufsichten/Schulrät:innen:
- arbeiten an einem eigenen Praxisanliegen und entwickeln neue Perspektiven sowie Veränderungsmöglichkeiten für ihr berufliches Handeln
- lernen das Konzept des kulturresponsiven Führens kennen und können dessen Bedeutung für ihre Arbeit einordnen
- reflektieren durch fachliche Impulse zu Diversität, Vielfalt und Teilhabe ihre Rolle und ihr professionelles Handeln (z. B. mit Blick auf Bildung, Mobilität, sozioökonomische Faktoren u. a.)
- setzen sich mit dem Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen in ihren jeweiligen Bundesländern auseinander und reflektieren herausfordernde Lebens- und Lernbedingungen
- entwickeln Ansätze, ihr Beratungsangebot für Schulleitungen entsprechend anzupassen
- lernen praxisnahe Werkzeuge und Methoden für ihre Arbeit kennen
- stärken ihr Bewusstsein für ihre vermittelnde Rolle zwischen Bildungsadministration und Schulleitungen
- erweitern ihre fachlichen und methodischen Kompetenzen in ihrer Rolle als Berater:innen und Begleiter:innen von Schulleitungen
Personen, die in der Schulaufsicht tätig sind, sind herzlich eingeladen, sich zur Reihe anzumelden!
Es finden parallel 2 Werkstattreihen statt. Eine richtet sich explizit an 16 Brandenburger Schulaufsichten, die andere Reihe ist offen und bundeslandunabhängig für ebenfalls 15 Schulaufsichtsbeamt:innen.
Die Kosten für An- und Abfahrt sowie Unterkunft und Verpflegung werden übernommen.
Die Teilnahme an allen vier Terminen einer Reihe ist erforderlich.
Die Werkstattmodule haben jeweils einen Zeitumfang von acht Stunden. Am jeweils ersten Veranstaltungstag beginnt das Angebot am Mittag und endet ebenfalls zur Mittagszeit am Folgetag. So möchten wir die Teilnahme auch für Personen mit längerer Anreisezeit ermöglichen.
Die Anmeldung für Brandenburger Schulräte erfolgt über den Bildungsserver Berlin-Brandenburg. Den Link finden Sie bald an dieser Stelle.
