Aus der Praxis

Veröffentlicht am: 12.01.2026

Lesezeit: 3 Minuten

Das Berliner Indikatorenmodell als strategisches Planungsinstrument

Das Berliner Indikatorenmodell ist ein zentrales Steuerungs- und Analyseinstrument der Schulaufsicht und dient dazu, schulische Qualität systematisch, vergleichbar und entwicklungsorientiert zu betrachten. Es verbindet datenbasierte Analyse mit pädagogischer Interpretation und schafft damit eine gemeinsame Grundlage für Gespräche zwischen Schulaufsicht und Schule.

Unsplash/Startae Team

Im Mittelpunkt des Indikatorenmodells steht nicht die Kontrolle im Sinne einer Bewertung einzelner Schulen, sondern die gezielte Unterstützung von Schulentwicklungsprozessen auf der Basis transparenter Kriterien.

Die genutzten Daten sind nicht öffentlich: Nur solche der eigenen Schule bzw. der Schulen im Zuständigkeitsbereich stehen Schulaufsicht und Schulleitung zur Verfügung. Das Indikatorenmodell enthält mindestens sechs schulartspezifische Indikatoren, die für die Schulentwicklung als relevant und verbindlich gelten und in deren Bereich Eigenverantwortliche Schulen Entscheidungskompetenzen haben.

Für die Integrierten Sekundarschulen (ISS) sind das zum Beispiel:

  • Abgänger ohne Abschluss
  • Erstwunschanmeldungen
  • unentschuldigte Fehltage
  • Förderprognosen
  • Vertretungsleistungen
  • Anzahl der lehrmittelbefreiten Schüler:innen

Die Schule selbst kann weitere Indikatoren aus einer Liste auswählen, die in den Schulentwicklungsprozess einbezogen werden sollen.

Messbare Qualität

Das Modell beschreibt schulische Qualität anhand mehrerer Qualitätsbereiche, die wiederum durch konkret formulierte Indikatoren mess- bzw. beobachtbar gemacht werden. Diese Indikatoren bilden die Grundlage für:

  • schulinterne Evaluation
  • externe Evaluation (z. B. durch Schulinspektion)
  • Zielvereinbarungen zwischen Schule und Schulaufsicht
  • Maßnahmenplanung in Schulentwicklungsprozessen

Anschaulich wird das Modell dadurch, dass es schulische Wirklichkeit in mehrere zentrale Qualitätsbereiche übersetzt, die den gesamten schulischen Handlungsrahmen abbilden. Dazu gehören sowohl die Ergebnisse schulischer Arbeit, etwa Lernerfolge und Abschlüsse, als auch die Prozesse, durch die diese Ergebnisse zustande kommen, wie Unterrichtsgestaltung, Förderung, Schulklima oder professionelle Zusammenarbeit im Kollegium. Ergänzt werden diese Bereiche durch Kontextindikatoren, die die jeweilige Ausgangslage einer Schule berücksichtigen, etwa die soziale Zusammensetzung der Schülerschaft oder besondere Standortbedingungen. Auf diese Weise wird vermieden, schulische Leistungen isoliert zu betrachten, ohne die Rahmenbedingungen mitzudenken.

Orientierungsrahmen für Analyse und Beratung

In der Praxis nutzt die Schulaufsicht das Berliner Indikatorenmodell vor allem als Orientierungsrahmen für Analyse- und Beratungsgespräche. Auf der Grundlage ausgewählter Daten, zum Beispiel aus Vergleichsarbeiten, Abschlussquoten, Fehlzeiten oder Schulstatistiken, entsteht zunächst ein Gesamtbild der Schule. Dieses Bild wird jedoch nicht als fertiges Urteil verstanden, sondern als Ausgangspunkt für eine gemeinsame Deutung. Die Schulaufsicht bringt dabei ihre systemische Perspektive ein, während die Schule ihre Innenperspektive ergänzt und erklärt, warum bestimmte Ergebnisse zustande gekommen sind. So wird deutlich, wo Stärken liegen, die gesichert oder ausgebaut werden sollten, und wo Entwicklungsbedarfe bestehen.

Basis für gemeinsame Zielvereinbarungen

Steuerungswirksam wird das Modell insbesondere dadurch, dass es hilft, Prioritäten zu setzen. Anstatt viele Einzelprobleme nebeneinander zu behandeln, können Schulaufsicht und Schulleitung auf Basis der Indikatoren gemeinsam Schwerpunkte definieren, die für die weitere Schulentwicklung leitend sind. Diese Schwerpunkte fließen in Zielvereinbarungen, Entwicklungspläne oder Unterstützungsmaßnahmen ein und schaffen Verbindlichkeit, ohne die pädagogische Verantwortung der Schule einzuschränken. Gleichzeitig ermöglicht das Modell, Entwicklungen über mehrere Jahre hinweg nachzuvollziehen und zu prüfen, ob eingeleitete Maßnahmen Wirkung zeigen.

Insgesamt fungiert das Berliner Indikatorenmodell damit als Brücke zwischen Daten und pädagogischem Handeln. Es macht komplexe schulische Prozesse sichtbar, ohne sie zu vereinfachen, und unterstützt eine Schulaufsicht, die nicht nur verwaltet, sondern aktiv begleitet, berät und steuert. Gerade durch seine praxisnahe Ausrichtung trägt es dazu bei, Schulqualität nicht abstrakt zu definieren, sondern konkret weiterzuentwickeln.

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