Wie sieht die Arbeit im Projekt KulReF dazu aus?
Claudia Schönsee: Wir arbeiten im Projekt in Kooperation mit einem Team der TU Dortmund rund um Professorin Esther Dominique Klein. Die Kooperation mit der Wissenschaft ist das Herzstück und auch das Besondere an diesem Vorhaben.
Die Kolleginnen der TU Dortmund haben zunächst in einer qualitativen Interviewstudie Schlüsselpersonen aus den USA – also Schulleitungen und sogenannte „District Administrators“, welche unseren Schulaufsichten in Funktion und Verantwortung sehr nahekommen – untersucht: Was macht CRSL eigentlich aus, und welche Gelingensbedingungen gibt es?
Mit unserem multiprofessionellen Expert:innenrat haben wir diese Ergebnisse diskutiert und geschaut, was für eine Übertragung auf das deutsche System wichtig ist.
Im nächsten Schritt fand eine Ist-Stand-Erhebung unter Schulaufsichten in Deutschland statt. Daher wissen wir schon einiges über bereits vorhandenes kulturresponsives Handeln, aber auch über Entwicklungsfelder. Auf dieser breiten Datengrundlage haben wir als Team der DKJS nun ein Format für Schulaufsichten in Deutschland entwickelt: Die KulReF-Werkstattreihe umfasst vier Module und läuft über ein halbes Jahr. Ausgehend von der Praxis der Teilnehmenden gestalten wir mit der Reihe einen geschützten professionellen Raum, um eigene Handlungspraxen zu analysieren, weiterzuentwickeln und gemeinsam mit den anderen Teilnehmenden zu reflektieren.
Auch hier ist das Team der TU Dortmund eng involviert: Die Werkstatt wird wissenschaftlich begleitet. Nach dem Durchlauf der beiden Reihen, die jetzt gestartet sind, können wir sehr genau sagen, was funktioniert hat und was vielleicht noch verbessert oder angepasst werden kann.
Für alle, die nicht an der Reihe teilnehmen, entwickeln wir außerdem ein Self-Assessment-Tool, das die Möglichkeit bietet, sich ein Bild vom eigenen Handeln und möglichen Entwicklungsfeldern zu machen.
Die Werkstatt-Teilnehmenden lernen und erarbeiten sich, wie Schulen ihre Schüler:innen aus marginalisierten Kontexten – und am Ende alle Schüler:innen – gezielt unterstützen können und wie sie als Schulaufsichten ihr Führungshandeln so gestalten können, dass sie Schulleitungen hierbei aktiv unterstützen können.
Die Werkstatt bietet, wie schon oben erwähnt, dabei einen Entwicklungsraum. Wir gestalten den Rahmen, die Teilnehmenden befüllen ihn selbst. Wir schaffen Reflexionsanlässe, geben Impulse und Denkanstöße. Auch zwischen den Modulen arbeiten wir mit Praxisphasen, in denen Dinge beobachtet oder erprobt werden sollen. Der Austausch und das Sichtbarmachen der vorhandenen Erfahrungen und Expertisen stehen dabei im Mittelpunkt und ermöglichen es den Teilnehmenden, voneinander zu lernen.
Ich bin schon sehr gespannt, wo wir im Frühjahr 2027 am Ende der Werkstattreihe stehen und was die Teilnehmenden für sich mitnehmen werden!
Wie sind bisher die Erfahrungen der Teilnehmenden mit der Werkstatt-Reihe?
Claudia Schönsee: Ich möchte gern eine Teilnehmerin der Werkstatt zitieren, die es, glaube ich, ganz gut in Worte fasst: „In der Theorie versuchen wir, unser Handeln immer an den Bedarfen der Schülerinnen und Schüler auszurichten und dazu beizutragen, dass alle die besten Bildungschancen erhalten. Wenn wir dies aber selbstkritisch betrachten, verschieben sich die Prioritäten im Alltag auch immer wieder woanders hin. Die Werkstatt-Reihe setzt genau hier an und unterstützt dabei, den Fokus wieder stärker auf den Bildungserfolg aller Kinder und Jugendlichen zu richten und gibt dazu fundiertes Know-how an die Hand.“
Dieser Kommentar macht noch einmal deutlich, was uns die Bestandsaufnahme schon gezeigt hat: Viele Ansätze zum kulturresponsiven Führungshandeln sind bei den Schulaufsichtsbeamt:innen vorhanden. Es geht vor allem darum, diese systematisch nutzbar zu machen, sie allen sichtbarer und leichter zugänglich zu machen und sie gezielter einzusetzen.
Die jeweils ersten der insgesamt vier Module beider Werkstattreihen liegen hinter uns. Was steht als nächstes an?
Claudia Schönsee: Der thematische Schwerpunkt des ersten Moduls lautete „Ungleichheit und Bildungsgerechtigkeit – mein Verständnis, meine Praxis als Schulaufsicht“. In den Arbeitsphase und Gesprächen bei den Werkstätten wurde deutlich, dass hier einiges in Bewegung gekommen ist: Die Teilnehmenden haben auf Grundlage der Themen, Inhalte und Fragen der Veranstaltung intensiv diskutiert und gemeinsam reflektiert sowie Erfahrungswissen miteinander geteilt. Im zweiten Modul schauen wir konkreter auf den Ansatz des kulturresponsiven Führungshandelns sowie auf das Thema Verantwortung und Rolle. Im dritten Modul stehen das Führungshandeln sowie das Anstoßen von Veränderungsprozessen im Fokus. Richtig spannend wird es dann nochmal im April 2027, wenn die beiden Teilnehmendengruppen aufeinandertreffen und vor allem der Blick nach vorn gerichtet wird: Die Erkenntnisse aus der Werkstatt sollen gebündelt und in nachhaltige Handlungsstrategien überführt werden.
Mich haben schon im ersten Modul der Gestaltungswille und die Motivation der Teilnehmenden begeistert. Ich bin mir sicher, dass sie in viele Richtungen etwas ins Rollen bringen werden!
Das Projekt KulRef – Kulturresponsives Führungshandeln durch Schulaufsicht unterstützen wird im Rahmen des Programms Integration durch Bildung durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend und die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) gefördert. Als Verbundprojekt wird es umgesetzt durch die Technische Universität Dortmund und die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung.