Bei der Akademie für die Schulaufsicht im Rahmen von „LiGa – Lernen im Ganztag“ in Schleswig-Holstein haben sich die teilnehmenden Schulrätinnen und Schulräte mit der Probezeitbegleitung für neue Schulleitungen auseinandergesetzt. Wie diese Unterstützung in ihrem eigenen Land aufgebaut ist, wissen sie aus eigener Erfahrung. Doch wie erfolgt die Auswahl und Begleitung neuer Schulleiterinnen und Schulleiter anderswo?  

Impulse aus Baden-Württemberg

Ein Blick in weitere Bundesländer ergibt schnell, dass die Probezeitbegleitung bei weitem nicht überall zur Aufgabe der Schulaufsicht gehört. Und nur selten finden sich Beispiele für standardisierte Verfahren. In Baden-Württemberg ist das anders. Dort wird die Probezeitbegleitung seit dem Schuljahr 2015/2016 nach einer landesweit einheitlichen Rahmenkonzeption durchgeführt. Also lud das LiGa-Team Schleswig-Holstein im Februar 2019 einen Experten aus Baden-Württemberg als Impulsgeber in die Akademie nach Kiel ein.

Gerhard Freund, stellvertretender Vorsitzender der VBE Baden-Württemberg, brachte ein dickes Paket – auch online veröffentlichter Materialien – mit nach Kiel und stieß damit auf großes Interesse.

Anforderungsprofil künftiger Schulleitungen

Wie andere Länder auch hat Baden-Württemberg ein Anforderungsprofil für künftige Schulleitungen als Ausgangslage für das Auswahlverfahren beschrieben. Dieses Anforderungsprofil besteht aus den drei Segmenten Handlungsfelder der Schulleitung, Tätigkeiten und Kompetenzen.

  • Handlungsfelder: Lernen und Lehren, Personal, Schule als Organisation sowie schulische Kooperationspartner.
  • Tätigkeiten: kontext- und situationsabhängig mit den Handlungsfeldern verknüpft
  • Kompetenzen: Führungskompetenz umfasst die Summe aller Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Einstellungen und Haltungen, die erforderlich sind, um eine Schule erfolgreich zu leiten (Sach-, Personal- und Sozialkompetenz)

Dieses landesweit einheitliche und transparente Anforderungsprofil wird in der konkreten Ausschreibung für die jeweilige Schule konkretisiert. Es bietet eine Orientierung für das Berufsbild Schulleitung und dient als Referenzpapier bei der Personalauswahl und anschließenden Personalentwicklungsmaßnahmen.

Stellenbesetzung

Die Ausschreibung der Schulleitungsstelle wird im Amtsblatt des Kultusministeriums „Kultus und Unterricht“ veröffentlicht. Nach der Bewerbung werden aktuelle dienstliche Beurteilungen erstellt, die in das Auswahlprozedere einfließen. An diesem Verfahren, das auf dem Grundsatz der beamtenrechtlichen Bestenauslese (Art. 33 Abs. 2 GG) basiert, sind die Schulkonferenz, der Schulträger sowie eine Auswahlkommission beteiligt. Die Bewerberinnen und Bewerber stellen eine mediengestützte Präsentation vor und nehmen an einem strukturierten Interview teil. Das Agieren in der Praxis zeigen die Kandidatinnen und Kandidaten mit einer Unterrichtsanalyse inklusive Beratung sowie der beispielhaften Bearbeitung einer schwierigen schulischen Alltagssituation. Durch diese Maßnahmen soll sich zeigen, welche Person für die Leitung der jeweiligen Schule am besten geeignet ist.

Erste Schritte als Schulleitung: Einführungswoche und Fortbildung

Das erste Fortbildungspaket ist die Einführungswoche, welche meist zu Beginn der Sommerferien stattfindet. Dazu kommen in den nächsten zwei Jahren fünf verpflichtende mehrtägige Fortbildungsmodule sowie drei eintägige regionale Fortbildungen. Das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) führt diese Fortbildungen durch.

Probezeitbegleitung durch die Schulaufsicht

Für die persönliche Unterstützung und regionale Begleitung während der zweijährigen Probezeit sind die Regierungspräsidien bzw. Staatlichen Schulämter verantwortlich. Dazu zählen mindestens einmal jährlich ein obligatorischer Schulbesuch sowie ein Rückmeldegespräch. Mentoring und Coaching gehören auch zum Repertoire.

Durch den Einblick in die Arbeit der baden-württembergischen Kolleginnen und Kollegen erhielten die Teilnehmenden der LiGa-Akademie für die Schulaufsicht in Kiel nützliche Anregungen für die eigene Arbeit. Deutlich wurde dabei, dass es sich lohnt, intensiv in die Probezeitbegleitung zu investieren. Standardisierte Instrumente und Materialien, die gleichzeitig Spielraum für regionale Besonderheiten zulassen, eine enge Verknüpfung mit weiteren Angeboten des Landes zur Führungskräftequalifizierung, aber auch die eigene Fortbildung für die Schulaufsicht sind wichtig, um die Probezeit von Schulleitungen effizient begleiten zu können. Eine gewissenhafte, umfängliche Arbeit im Laufe der Probezeit macht hinterher vieles einfacher, da gute Grundlagen gelegt sind und viele Fragenbereiche bereits abgedeckt werden können.

  • Erscheinungsdatum: 01.06.2020
  • LiGa