Die fünf Kriterien Professioneller Lerngemeinschaften sind (nach Bonsen/Rolff 2006, S. 179):

Für alle Beteiligten ergeben sich positive Effekte. Der Schulentwicklungsforscher Hans-Günter Rolff sprach im Februar 2021 in einer Präsentation für „LiGa – Lernen im Ganztag“ von einer psychohygienischen Funktion der PLG für die Lehrerinnen und Lehrer: „Professionelle Lerngemeinschaften sind gesundheitsförderlich, weil Lehr- und Leitungspersonen nicht isoliert arbeiten, sich gegenseitig beraten, Fehlertoleranz angestrebt wird und eine Hilfekultur entsteht.“ Das wirkt sich unter anderem positiv auf die Motivation und die Arbeitszufriedenheit aus – und führt zu mehr Qualität in der Lehrtätigkeit. 

Definition 

Professionelle Lerngemeinschaften verstehen sich laut Rolff als sich selbst organisierende Teams, die mit einem Minimum externer Kontrolle auskommen und in denen Pädagoginnen und Pädagogen in professioneller Weise miteinander arbeiten und voneinander lernen. 
Stephan Huber und Sigrid Hader-Popp (2006, S. 1 f.) definieren PLG als „Gruppen von Spezialisten mit Expertise in ihrer Profession und der Notwendigkeit, diese ständig zu aktualisieren und zu erweitern. Ihre systematische Kooperation führt zur Entwicklung von neuem Wissen, das geteilt und in die Ausübung der Profession eingebracht wird.“
Professionelle Lerngemeinschaften können im schulischen Bereich auf verschiedenen Ebenen angesiedelt sein, zum Beispiel:

  • als Team innerhalb der Schule, z. B. Fachgruppen oder komplette Jahrgangsgruppen, aber auch PLG zu einzelnen (Schulentwicklungs-)Themen wie individualisiertes Lernen oder Ganztag
  • als Kooperationsnetzwerk der Schule mit außerschulischen Partnern, Kommune, u. a.
  • als Netzwerk zwischen mehreren Schulen – von regional bis international

Fünf Kriterien

Das Konzept der Professionellen Lerngemeinschaft kommt ursprünglich aus den USA. Dort haben Autorinnen und Autoren wie Susan Rosenholtz und Shirley M. Hord seit Ende der achtziger Jahre erforscht, wie bedeutsam das gemeinsame Lernen und Arbeiten der Lehrerinnen und Lehrer für die Weiterentwicklung von Schulen ist. Darauf aufbauend und verbunden mit eigenen Forschungen haben Martin Bonsen und Hans-Günter Rolff Bestimmungskriterien für Professionelle Lerngemeinschaften auf den deutschen Sprachraum übertragen und weiterentwickelt.

Zwei Leitwerte

Diese fünf Kriterien werden von Bonsen und Rolff ergänzt um zwei Leitwerte, die für das Arbeiten in einer solchen Gemeinschaft von zentraler Bedeutung sind: Fehlertoleranz und Hilfekultur. Erst durch gemeinsame Werte wird eine Gruppe oder ein Team zu einer (Werte-) Gemeinschaft. Sowohl Fehlertoleranz als auch Hilfekultur beziehen sich auf das Miteinander und die Selbst- und Fremdwahrnehmung: Habe ich das Gefühl, dass Fehler erlaubt sind? Darf ich auch mal scheitern? Kann ich mich trauen, Neues auszuprobieren? Fühle ich mich wohl, wenn ich jemanden um Hilfe bitte? Und bin ich selbst bereit, anderen zu helfen? In einer intakten Professionellen Lerngemeinschaft beantworten die Beteiligten diese Fragen mit „Ja“. Das Besondere hierbei ist, dass es nicht nur um individuelle Wahrnehmungen geht, sondern vor allem um Regularien und Mechanismen, an denen man die Kultur der Hilfe erkennen kann. Eine solche Kultur ist die Basis für die erfolgreiche Arbeit einer PLG. Schulaufsicht und Schulleitung leisten dazu einen wesentlichen Beitrag, indem sie Raum schaffen für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und den Beteiligten Mut machen, sich zu öffnen und Neues zu erproben.

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