Im Bildungsbereich boomen Schulnetzwerke vielerorts. Von ihrer Relevanz und ihrem Nutzen für nachhaltige Schulentwicklung schwärmen die beteiligten Schulen. Das Teilen von Erfahrungen, Selbstvergewisserung, gegenseitige Bestärkung und vor allem praktische Hinweise für einen veränderten Arbeitsalltag machen sie so wertvoll. Doch wie steht es im Vergleich dazu um die Vernetzung der Schulaufsicht im föderalen Deutschland?
Der tiefgreifende Wandel der Rolle der Schulaufsicht, die zunehmende Eigenständigkeit der Schulen und die diversen Ländermaßnahmen zur Qualitätsentwicklung erfordern einen kollegialen Erfahrungsaustausch mehr denn je. Wo tauschen sich Mitarbeitende der Schulaufsicht abseits oder parallel zu dienstlich erforderlichen Zusammenkünften des Ministeriums – wie Schulrätedienstversammlungen – aus? Wen und wie viele betrifft es eigentlich konkret?

Begrenzte Zahl und unterschiedliche Struktur erschweren bundes- und landesweite Vernetzung

Die Gruppe der Schulaufsichtsbeamtinnen und -beamten ist überschaubar. Dabei gibt es bedeutende Unterschiede in der Struktur und Anzahl in den Bundesländern. Gerade einmal die Hälfte der Länder verfügt über eine untere Schulaufsichtsbehörde. Sieben Bundesländer haben obere Schulaufsichtsbehörden. Zugleich gibt es große zahlenmäßige Unterschiede innerhalb der Stufen. So sind zum Beispiel bei den unteren Schulaufsichtsbehörden in Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Brandenburg vier bis fünf Schulämter vorhanden. Die Mittelgruppe bilden Schleswig-Holstein, Hessen und Baden-Württemberg mit 15 bis 21, während in den flächen- und bevölkerungsmäßig größten Ländern Nordrhein-Westfalen und Bayern jeweils 53 und 96 Staatliche Schulämter zu zählen sind.

Interessenverband der Schulräte

Die Konferenz der Schulaufsicht e.V. (KSD) bietet als Dachverband der Schulaufsichtsvereinigungen der Bundesländer eine formale Vernetzungsmöglichkeit. Schulaufsichtsbeamtinnen und -beamte aus neun Landesverbänden kommen dort als Delegierte zusammen. Dabei geht es um

  • Einflussnahme auf bildungs-, schul- und standespolitische Entscheidungen auf Bundesebene im Zusammenwirken mit anderen Organisationen,
  • Koordination von Aktivitäten einzelner Landesverbände auf Bundesebene,
  • Darstellung der beruflichen und standespolitischen Interessen der Schulaufsichtsbeamten bei den zuständigen Gremien auf Bundesebene,
  • Austausch von schul-, berufs- und standespolitischen Informationen unter den Mitgliedern und
  • Fortbildung der Mitglieder und Professionalisierung der Schulaufsicht.

Vernetzung im Rahmen von „LiGa – Lernen im Ganztag"

Jenseits der Schulrätevereinigungen ist bislang kaum etwas über die Vernetzung der Schulaufsicht bekannt – insbesondere auf länderübergreifender Ebene. An dieser Leerstelle konnte das Programm „LiGa – Lernen im Ganztag“ ansetzen. Die drei folgenden Blitzlichter beleuchten die Angebote, mit denen im Rahmen des Programms die Vernetzung von Schulaufsichtsbeamtinnen und -beamten in der ersten Programmphase (2016 bis 2019) unterstützt wurde. 

Blitzlicht 1: Länderübergreifende Fachaustausch bei bundesweiten Fachtagen

Der Blick über den Tellerrand und Inspiration stehen bei bundesweiten Schulaufsichtsfachtagen im Vordergrund. Die Mitarbeitenden der Schulaufsicht schätzen den länderübergreifenden Fachaustausch sehr. Zum einen, weil sie sonst kaum Gelegenheit haben, Kolleginnen und Kollegen aus anderen Bundesländern zu treffen. Zum anderen, weil unkonventionelle Methoden und Rahmensetzung den informellen Austausch und neue Ideen befördern. 
Einen konkreten Einblick in den Schulaufsichtsfachtag, der im Mai 2018 auf einem Tagungsschiff in Berlin stattfand, erhalten Sie hier:

Blitzlicht 2: Reflexion eigener Arbeitsprozesse 

Schulleiterdienstversammlungen, Arbeit mit Zielvereinbarungen, Schulbesuche: Das sind ausgewählte Arbeitspakete, die den Alltag vieler Schulaufsichten bestimmen. Ein genauer Blick darauf zeigt, dass die Praxis ganz verschieden ist und manchmal auch nicht besonders effektiv. Das macht den kollegialen Fachaustausch im eigenen Land so wertvoll: eine Bestandsaufnahme der scheinbar gleichen Praxis, ein Austausch dazu, was gut und weniger gut funktioniert, und schließlich praktikable Ideen für spürbare Veränderung. Auf diese Weise entstehen beispielsweise schriftlich fixierte Handlungsempfehlungen in der Akademie der Schulaufsicht in Schleswig-Holstein oder Workshops in Nordrhein-Westfalen. 

Blitzlicht 3: Modulare Weiterbildung mit Klärung des Rollenverständnisses

An der Schnittstelle zwischen Ministerium und Schule – meist mit einer enormen Arbeitsdichte – einen Rollenwandel zu einer beratenden Schulaufsicht zu gestalten, stellt eine besondere Herausforderung für den oder die einzelnen Mitarbeitenden der Schulaufsicht dar. Es verwundert daher nicht, dass das modularisierte Weiterbildungsangebot zu systemischer Beratung, Organisations- und Schulentwicklung für die Beteiligten in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt großen Zuspruch fand und mancherorts mit Supervision ergänzt wurden.
Das Programm „LiGa – Lernen im Ganztag“ wird in den Jahren 2020 bis 2024 fortgeführt und bietet damit Gewähr, von den Erfahrungen im Bereich der Vernetzung zu lernen und die bewährten Angebote in die Regelsysteme der Länder zu übernehmen.
 

Creative Commons BY-SA 4.0

Dieser Artikel wird unter der Creative Commons-Lizenz „Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0)“ veröffentlicht. Weitere Informationen: Creative Commons Lizenz

Weitere Beiträge zum Thema