Zu Beginn eines Entwicklungsprozesses empfiehlt es sich, eine IST-Stand-Analyse zu machen, die sich nicht nur auf die inhaltlichen Ziele bezieht (z. B. Weiterentwicklung der Lernzeiten), sondern auch die projektbeteiligten Personenkreise und das Projekt im Grundsatz berücksichtigen. Dazu bieten sich vor allem die Kraftfeldanalyse und die Projektumfeldanalyse an. 

Kraftfeldanalyse in der Praxis

Kraftfeldanalyse in der Praxis. Analyse der Personenkreise im Rahmen der Fachtagungen „Schulentwicklung gemeinsam gestalten“ in Neuss und Soest 2017. © QUA-LiS NRW/Christian Herrmann

Bei der Kraftfeldanalyse werden zunächst alle projektbeteiligten Personenkreise identifiziert. Relevant sind all jene Personen, die durch das Entwicklungsvorhaben beeinflusst werden oder zur Umsetzung des Vorhabens wichtig sind.

Der wichtige Analyseschritt ist die Zuordnung zu Gruppen wie:

  • Helfer,
  • Sponsoren,
  • Blockierer,
  • Bremser,
  • neutrale Personen.

Damit wird bewusst, auf wen man besonders im Entwicklungsprozess zählen kann, wo Unterstützungspotenziale liegen und wen man gezielt einbinden muss, um hindernde Einflüsse abzuschwächen. Die Bildung einer Projektsteuergruppe mit Vertreterinnen und Vertretern aus diesen Gruppen erhöht die Akzeptanz des Entwicklungsprozesses. Wie auch bei allen anderen Prozessen ist es notwendig, diese Zuordnung und die abgestimmten Maßnahmen regelmäßig zu reflektieren und neu zu beurteilen.

Mehr Informationen zur Methode Kraftfeldanalyse finden Sie hier in unserer Toolbox. 

 

Projektumfeldanalyse in der Praxis

Projektumfeldanalyse in der Praxis. Dokumentation im Rahmen der Fachtagungen „Schulentwicklung gemeinsam gestalten“ in Neuss und Soest 2017. © QUA-LiS NRW/Christian Herrmann

Neben der Analyse der beteiligten Personenkreise hilft die Projektumfeldanalyse dabei, einen Überblick über das gesamte Projekt zu bekommen. Neben den Stakeholdern, die bereits in der ersten Phase identifiziert wurden, werden nun deren Einfluss auf das Projekt und die Kommunikation genauer betrachtet. Denn auch in schulischen Entwicklungsprozessen ist die persönliche Beziehungsebene immer von Bedeutung und kann nur berücksichtigt werden, wenn sie bekannt ist.

Dieser Analyseprozess wird mit Hilfe einer Vorlage durchgeführt und grafisch aufbereitet.

Besonders wichtig ist es, sich der vielfältigen Prozesse bewusst zu werden, die Einfluss auf das Projekt nehmen und auch über Gelingen und Scheitern entscheiden können. 

In unserer Toolbox können Sie hier mehr über die Methode Projektumfeldanalyse erfahren. 

Kooperation in der Praxis

Die Kooperation zwischen den Steuerungsebenen obere Schulaufsicht und Schulleitung ist bei den Analysen ein wichtiges Betrachtungsfeld. Hier ist besonders zu berücksichtigen, dass die obere Schulaufsicht in ihrer Funktion als Fachaufsicht sehr großen Einfluss auf die (erlasskonforme) Planung und Realisierung von Projektvorhaben hat und das bei oftmals größerer Distanz und unregelmäßigeren Kontakten als schulinterne Projektbeteiligte. Es stellt sich also auch die Frage, was eine gelingende Kooperation unter diesen Voraussetzungen benötigt. Welche Erwartungen und Bedarfe haben die Schulleitungsteams und wie gehen obere Schulaufsichtspersonen darauf ein? Genauso stehen die Fragen andersherum im Raum: Was braucht obere Schulaufsicht, um sich informiert und mitgenommen zu fühlen und welche Angebote können den Schulen gemacht werden?

Hierzu gab es im Rahmen des LiGa NRW-Werkstattgesprächs am 31.01.2018 in Essen eine gemeinsame Arbeitsphase, in der folgende TOP-Aspekte für gelingende Kooperationsprozesse unter den anwesenden Schulleitungen und oberen Schulaufsichtspersonen herausgearbeitet wurden:

Diese Aspekte bilden zum einen die Erwartungen und zum anderen die Bedarfe der Kooperationspartner ab. Dabei werden unterschiedliche Ebenen angesprochen. Auf der persönlichen Ebene jedes Projektbeteiligten ist es wichtig, dass ein Projekt, eine Idee oder ein Ziel gewählt wird, dessen Umsetzung sich lohnt. Im besten Fall bringt es sogar Entlastungen oder andere Vorteile. Dies fördert die intrinsische Motivation. 

Auch die regionale Vernetzung der Projektschulen spielt bei Schulentwicklungsprozessen eine wichtige Rolle. Das Projekt LiGa NRW bietet dafür die Plattform. Hier arbeiten länger bestehende Systeme mit Schulen im Aufbau zusammen und tauschen sich über ihre vielseitigen Erfahrungen und unterschiedlichen Themenschwerpunkte aus. Von der Heterogenität dieser Netzwerke profitieren die einzelnen Kooperationen und Entwicklungsmaßnahmen sowohl auf persönlicher als auch schulischer Ebene. Die Netzwerkarbeit von LiGa NRW bezieht aber insbesondere auch die Steuerungsebene mit ein. Denn gelingende Kooperationsprozesse sind von der Unterstützung durch die obere Schulaufsicht und deren Selbstverständnis als Partner im Entwicklungsprozess des Projektes abhängig. 

Zur weiteren Unterstützung von Schulentwicklungsprozessen stellen wir Ihnen hier Materialien und Methoden zur Verfügung, die zum Einsatz in Kooperationsprozessen geeignet sind.

Ausblick

Auch in der zweiten Phase des Projektes „Leben und Lernen im Ganztag“ (LiGa NRW) werden weitere Veranstaltungen und Angebote konzipiert, die u. a. die Kooperation zwischen den Steuerungsebenen im Rahmen von Schulentwicklungsprozessen und deren systemische Verankerung fördern sollen. Unter anderem wird dazu eine digitale Arbeitsplattform aufgebaut, die Modellnetzwerke in Bezug auf die alltägliche Kommunikation und Kooperation erproben und weiterentwickeln werden.
 

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